ANBLICK Ausgabe 01/2018 - page 14

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AN
BLICK
Ein sehr persönliches Werk, eine Aufar-
beitung der eigenen Familiengeschichte,
ein Gedenken: All dies steckt hinter Silke
Röschs im November erschienenem Buch
„Und der Himmel drängt in mein Herz“. In
der mit Dr. Klaus Loscher erarbeiteten Lek-
türe finden sich Gedichte sowohl von Silke
Rösch als auch von ihrer Ururgroßmutter
Johanna Fröba, die mit ihrer Familie im
Frankenwald lebte.
Poesie der Generationen
Buchveröffentlichung von Silke Rösch aus Ansbach
Vor fünf Jahren blätterte Silke Rösch bei ihren
Eltern in einem Jahrbuch des Landkreises Kron-
ach, wo sie selbst aufwuchs. Darin war auch
ein Artikel über ihre Ururgroßmutter Johanna
Fröba, geschrieben von demTheologen und
Kirchenhistoriker Dr. Klaus Loscher. „Ich war
sehr berührt“, erinnert sich Silke Rösch, die in
Ansbach wohnt. „Ich hatte vorher noch nie von
Johanna gehört.“ Die Vorfahrin stammte aus
dem heutigen Bad Berneck im Fichtelgebirge
und lebte mit ihrem Mann und neun Kindern
in Buchbach im Frankenwald. Sie führten ein
hartes, karges Leben. Johanna Fröba war Wald-
arbeiterin – und schrieb Gedichte. Silke Rösch
las einige Zeilen ihrer Ahnin, die sie fortan
nicht mehr losließen. „Ihre Gedichte haben
mich mitten ins Herz getroffen.“
Silke Rösch setzte sich mit Dr. Klaus Loscher in
Verbindung, der mehr über Johanna Fröba her-
ausgefunden und ihr altes Poesiealbum, das ihre
Gedichte enthielt, ausfindig gemacht hatte. Ihre
Dichtkunst hinterließ auch auf Silke Röschs
Lebensgefährten Werner Frankowsky einen
nachhaltigen Eindruck. „Ich war erstaunt und
ebenfalls sehr ergriffen“, erzählt er. „Johanna
Text: hw; Fotos: privat; Edition Mindful
lebte in ärmlichen Verhältnissen und hatte nur
die Grundschule besuchen können. Das merkt
man ihren Gedichten allerdings nicht an: Es
herrscht ein großer Kontrast zwischen ihren
Lebensumständen und ihrer Poesie.“
Das lyrische Talent scheint Silke Rösch geerbt
zu haben – auch sie schreibt seit Jahrzehnten
Gedichte. Als einzige in ihrer Familie, wie sie
bisher dachte. „Es hat mir sehr gutgetan zu
erfahren, dass es da schon mal jemanden gab,
der mir ähnlich ist“, beschreibt sie. „Bisher
schien ich ‚aus der Art geschlagen’ zu sein. Es
war ein Gefühl des An- und Heimkommens.“
Willensstärke und Mut
Die Idee, beides zusammenzuführen und in
einem Buch zu vereinen, war zunächst eine
„spinnerte“, wie Werner Frankowsky sagt. Dr.
Klaus Loscher unterstützte und motivierte das
Paar in seinem gemeinsamen Vorhaben. „Um
die Jahreswende haben wir schließlich konkret
überlegt, wie das Buch aussehen soll“, so Wer-
ner Frankowsky, der Layout und Satz übernom-
men hat. „Wir wollten auch zeigen, wie Johanna
gelebt hat.“ In Heimatarchiven fanden sich
entsprechende Bilder. Johanna Fröbas Gedichte
sind geprägt von einem starken Gottesglauben.
„Sie war eine willensstarke und mutige Frau.
Sie war praktisch veranlagt und zeigt in ihren
Gedichten viel Bereitschaft zur Versöhnung
und dazu, nicht die schweren Dinge im Leben
als maßgeblich zu betrachten.“ Auch humor-
voll muss sie gewesen sein: In dem Gedicht „10
Hausrezepte für Männer“ heißt es unter ande-
rem: „Macht irgendwas den Kopf dir kraus, lass
es an deiner Frau nicht aus.“ Sie habe sich den
damaligen Konventionen nicht gebeugt, meint
Silke Röschs Lebensgefährte Werner Fran-
kowsky: Ihr Mann Johann Fröba war Katholik,
Johanna blieb ihrem protestantischen Glauben
treu, anstatt zu konvertieren.
Silke Röschs Anliegen war es, ihrer Ururoma
durch das Buch posthumWertschätzung entge-
gen zu bringen. „Ich habe das Gefühl, dass sie
diese in ihrem Leben nicht allzu sehr bekom-
men hat. Ihre berührenden Gedichte sollten
außerdem für alle zugänglich sein.“
In dem Buch „Und der Himmel drängt in
mein Herz“ wird Johannas Geschichte erzählt,
Gedichte von ihr und Silke Rösch sowie Acryl-
bilder von letzterer sind abgedruckt. „Johannas
Einstellung, dem Leben zugewandt zu sein und
auch aus schwierigen Passagen Positives zu
ziehen, spiegelt sich in Silke wider“, hat Werner
Frankowsky beobachtet. Auch der Glaube und
die Wertschätzung der Natur ist beiden gemein:
Silke Rösch leitet den Naturkindergarten in
Lehrberg und ist mit den Kindern viel imWald
unterwegs. „Ich kannte Johanna zwar nie per-
sönlich, aber dennoch fühle ich mich ihr ähn-
lich“, schildert sie. Eine Lesung in Ansbach gab
es bereits, eine weitere in Kronach soll folgen.
Auch ein Hörbuch kann sich Silke Rösch gut
vorstellen.
Und der Himmel drängt in mein Herz.
Die Wiederentdeckung einer Franken-
waldpoetin
Edition Mindful
Verlag: Books on Demand
80 Seiten
ISBN-13: 978-3-7460-1179-0
12,99 €
Auch als E-Book erhältlich.
Verlosung
des Buches
auf Seite 22
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