ANBLICK Ausgabe 01/2018 - page 9

Leibarzt von Fürsten und Markgrafen
Johann Georg Hasenest praktizierte beim Stadtarzt Dr. Copfer in Hers-
bruck, bevor er sich auf Reisen begab, die ihn nach Frankfurt, Bad
Schwalbach, Wiesbaden, Karlsbad und Regensburg führten. Er trat dort
in Kontakt mit Gelehrten. 1712 erfolgte die Promotionsfeier in Altdorf.
Im gleichen Jahr heiratete er im Alter von 23 Jahren die wohlhabende
Kaufmannswitwe Apollonia Buckel, die bereits drei Kinder hatte. Johann
Georg Hasenest wurde zunächst Stadtphysicus in Windsheim, bis er
1717 zum Leibarzt des Fürsten von Hohenlohe-Schillingsfürst berufen
wurde. 1723 verbrachte er einige Zeit in Erlangen, bis er sich 1726 in
seine Heimatstadt Windsheim zurückversetzen ließ. Mittlerweile hatte
Johann Georg Hasenest einen guten Ruf als Mediziner und eine gewisse
Berühmtheit erlangt. Schließlich rief ihn Markgraf Georg Friedrich 1730
nach Neustadt a.d. Aisch; fünf Jahre später siedelte er nach Ansbach um
und trat in die Dienste des „wilden Markgrafen“ Karl Wilhelm Friedrich
von Brandenburg-Ansbach. Hier wurde er Medizinalrat und „Leibmedi-
cus“ des Markgrafen, ein Jahr später übernahm er zusätzlich das Amt des
Stadtarztes.
1747 wurde Johann Georg Friedrich zum Hofrat ernannt. Er starb am
22. Oktober 1771. Er hinterließ vier Kinder, elf Enkel und zwei Urenkel.
Seine zweite Ehefrau, die er nach dem Tod seiner ersten Gemahlin gehei-
ratet hatte, war vier Monate vor ihm dahingeschieden.
Mehrere Schriften von Johann Georg Hasenest sind bekannt und auch
heute noch einsehbar, so unter anderem in der Ansbacher Schloss-
bibliothek. 1729 erschien in Nürnberg Hasenests Beschreibung des
Burgbernheimer Wildbades mit dem Titel „Zuflucht Derer, so mit
Gliedergebrechen und mehrern andern Kranckheiten geplaget sind“.
Als umfassendstes Werk gilt „Der medizinische Richter, oder Actorum
physico-medicorum forensium Collegii medici Onoldini“, das in Ans-
bach in vier Bänden zwischen 1755 und 1765 veröffentlicht wurde. Dieses
Werk habe zu damaliger Zeit „außerordentlich hoch im Kurs“ gestanden,
schreibt Friedrich Krauß.
Die Bände enthalten 89 gerichtsärztliche Gutachten. In den Fällen ging es
unter anderem um Mord, Selbstmord und „Kurpfuscherei und Aberglau-
ben“. Einige Überschriften sind der Erwähnung wert: „Mit welcher Vor-
sicht das Gift, besonders das Mauspulver, in den Apotheken zu verkaufen
sei“, heißt es da; und „Ob einer von einer Maulschellen augenblicklich
sterben kann“ sowie „Über den abergläubischen Gebrauch des Regenbo-
genschlüsseleins, mit dem Krankheiten heilen wollte“.
Johann Georg Hasenestes ältester Sohn Johann Friedrich wurde Apothe-
ker in Uffenheim, Leutershausen, Erlangen und Fürth, sein zweiter Sohn
studierte Medizin und wurde „Medicinae Practicus und Assessor des
medicinischen Collegiums Ansbach“.
FLZ vom 19. Mai 1989
Text: Hanna Wild; Fotos: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: Portrait A 26376 http://portraits.hab.de/werk/27926; Stadtarchiv (3)
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