ANBLICK Ausgabe 02/2018 - page 54

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AN
BLICK
Zuerst kam das Handwerk: 1974 grün-
dete Peter Hornemann seine Firma für
Malerei, Gestaltung und Restaurie-
rung. 20 Jahre lang war der gebürtige
Ansbacher außerdem Ausbilder für his-
torische handwerkliche Maltechniken
an der Staatlichen Berufsschule in
Rothenburg, bis 2006 stellvertretender
Obermeister der Maler- und Lackierer-
innung Ansbach / Westmittelfranken.
Die Kunst ergab sich schließlich aus demHandwerk, auch wenn Peter Horne-
mann sich nicht als Künstler bezeichnen würde: Kunsthandwerker treffe es
eher, sagt er. Sein Leitsatz ist der Ausspruch von Bauhaus-Begründer Walter
Gropius: „Kunst entsteht oberhalb aller Methoden, sie ist an sich nicht lehr-
bar, wohl aber das Handwerk.“
Der Kunstbegriff hat für Peter Hornemann etwas Schwieriges. „Wenn ein
Kind oder ein Affe etwas aus dem Zufall entstanden malt, könnte man das
wohl auch Kunst nennen.“ Er selbst mache keine Zufallsprodukte, sondern
könne seine Werke wiederholen. „Wenn man mit der Materie gut vertraut ist
und das Handwerk gelernt hat, kann man schon etwas produzieren“, meint er.
Ob seine Arbeiten dem künstlerischen Zeitgeist entsprechen oder nach künst-
lerischen Kriterien einen Wert haben, ist ihm dabei nicht wichtig, „vor allem:
völlig egal“, betont er: „Ich male, weil ich Freude daran habe.“ In Kursen,
Seminaren und Fortbildungen erweiterte er über die Jahre seine Fähigkeiten.
Text: Hanna Wild, Fotos: Peter Hornemann/privat
Peter Hornemann ist Malermeister im Ruhestand – und „Kunsthandwerker“,
wie er sich selbst nennt. Seit Jahrzehnten stellt er seine Werke aus; nicht
nur in Ansbach und Umgebung, auch
in Italien waren seine Bilder bereits zu
sehen.
Architektur und Natur
Peter Hornemann malt „was mir Spaß macht“, einen Schwerpunkt bilden
die Themen Architektur und Natur. Ansbachs Stadtansichten hat er
bereits häufiger auf die Leinwand gebracht und auch in einem Kalen-
der verewigt. „Ich bringe aber meine eigene Sicht ein, ich male nicht
einfach etwas ab.“ Tiere sind ebenso ein bevorzugtes Motiv. Für seine
Werke verwendet er Aquarell- und besonders Acrylfarben: „Damit kann
man schnell aufeinander arbeiten, Öl braucht hingegen sehr lange zum
Trocknen. Wenn ich an etwas arbeite, möchte ich es schnell fertig stel-
len.“ Früher malte er in seiner Werkstatt, nun hat er in seiner Wohnung
einen Raum, den er für die Erstellung kleinformatigerer Bilder nutzt.
Sein Kunsthandwerk ist für Peter Hornemann, Jahrgang 1940, „wie die
Luft zum Atmen“: „Ich beschäftige mich ständig damit, aktiv oder im
Geiste. Ich habe immer Papier bei mir.“ Die Schönheit der Natur und
die Schönheit der Tiere sind wiederkehrende Sujets, gepaart mit Protest:
„Ich habe selbst Hunde gehabt. Zu sehen, wie manche mit ihren Tieren
umgehen, ist schlimm“, findet Peter Hornemann. Ebenso der Umgang
des Menschen mit der Umwelt: „Ich sehe dieWeltkugel als einenWasser-
behälter vor mir. Er ist bereits ganz ausgequetscht, und trotzdem stehen
alle am Zapfhahn“, beschreibt er. CO
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, Gifte im Erdboden, die Ausbeu-
tung der Erdteile, die andere Menschen zur Flucht zwingt: Die Liste ist
lang. „Wenn ich daran denke, wie die Jahreszeiten in meiner Kindheit
waren und das mit der heutigen Zeit vergleiche: unvorstellbar“, schildert
Peter Hornemann. „Jeder meint, er müsse viermal im Jahr wegfahren,
vielleicht sogar auf einem Schiff mit 8.000 Leuten, während andere ihr
Essen im Müll suchen.“
In der Vergangenheit war Peter Hornemann in verschiedenen Künstler-
gruppen aktiv. „Es gab aber immer Leute, die meinten, sich profilieren zu
müssen.“ Austausch undDiskussion sind ihmdennoch weiterhin wichtig:
„Ich gehe oft in Museen und Ausstellungen. Auch dort trifftman sich.“
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