ANBLICK Ausgabe 02/2018 - page 56

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AN
BLICK
Von der Antike bis weit in die Neuzeit hat der
Andorn zu den beliebtesten Heilpflanzen in
Europa gehört. In der heutigen Zeit ist die
heilende Wirkung der Andorn-Pflanze
(Marrubium vulgare) in Vergessenheit gera-
ten. Die Pflanze wächst meist an den Rändern
von Wegen, blüht von Juni bis September und
erreicht Höhen von etwa 30 bis 80 cm. Die
Pflanze besitzt kleine weiße Blüten und hohle
filzig behaarte vierkantige Stängel. Zusätz-
lich sind auch die Unterseiten der am Rand
gezähnten Blätter der Heilpflanze behaart.
Wirkung der Bitterstoffe
Andorn, der im Ganzen verarbeitbar ist,
enthält sogenannte Diterpen-Bitterstoffe.
Der Hauptanteil der Bitterstoffe besteht aus
Marrubiin. Außerdem enthält die Pflanze
noch Gerbstoffe und geringe Mengen eines
ätherischen Öls. Generell wird Bitter- und
Gerbstoffen eine positive Wirkung auf den
Magen-Darm-Trakt nachgesagt. Außerdem
regen die Pflanzenbestandteile die Magen-
säurebildung und die Magen-Darm-Bewe-
gung an. So hilft Andorn gegen Appetitlosig-
keit, Gallenbeschwerden, Blähungen oder
Völlegefühl. Darüberhinaus hilft sie bei Atem-
wegserkrankungen: Die Pflanze unterstützt
dabei, festsitzenden zähen Bronchialschleim
zu verflüssigen. So kann der Schleim besser
abgehustet werden. Dieser Effekt wird durch
das ätherische Öl in der Pflanze erzielt.
Übrigens – die therapeutische Relevanz von
Bitterstoffen beruht auf einem speziellen
Mechanismus: Der Mensch besitzt 25 ver-
schiedene Bitter-Rezeptoren, die unter ande-
rem auf der Zunge, in Mund und Rachen, aber
auch auf den glatten Muskelzellen des Bron-
chialsystems sitzen. Werden die Rezeptoren
dort aktiviert, führt das zur Erweiterung von
verengten Bronchien und damit zu einer ver-
besserten Sauerstoffaufnahme.
Doch Achtung: Experten empfehlen, dass die
Pflanze nur bei Erwachsenen und Kindern über
zwölf Jahre verwendet werden sollte.
Der Andorn, was so viel wie „ohne Dornen“ bedeutet, stammt aus dem Mittel-
meerraum. Er gedeiht aber auch nördlich der Alpen bis nach Südskandinavien.
Hier ist er in warmen und trockenen Regionen zu finden – als Auswilderung aus
dem früher weit verbreiteten Anbau für Heilzwecke. Wir stellen die Arznei-
pflanze aus der Familie der Lippenblütler näher vor:
ARZNEIPFLANZE DES JAHRES 2018
Andorn
Redaktionelle Bearbeitung: var; Fotos: Wikimedia Commons / Harry Rose / Franz Eugen Köhler (2) / Stan Shebs; pixabay.com (2)
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