ANBLICK Ausgabe 02/2018 - page 9

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AN
BLICK
Vorliebe für Mathematik. Seinen jüngeren Brüdern half er beim Ler-
nen. Max Bezzel schien das gewesen zu sein, was man heute ein Multi-
talent nennen würde: Er war nicht nur ein schneller Denker, sondern
auch ein ausgezeichneter Schwimmer und Turner, der sich zeitlebens
geistig und körperlich fit hielt.
Mit 17 Jahren machte er am Gymnasium Carolinum sein Abitur und
nahm anschließend ein Jurastudium in Erlangen auf. Sein Wunsch
war die Mathematik gewesen, doch ihm wurde abgeraten: Die Berufs-
aussichten für einen Mathematiker seien damals „greuliche“ gewesen..
Nach einem Jahr ging Max Bezzel nach München und setzte dort sein
Studium fort. Er beschäftigte sich fortwährend theoretisch und prak-
tisch mit Schach und wurde in München als „Meister des Schachs“
bekannt. 1844 unternahm er seine erste Schachreise nach Wien und
spielte dort gegen den örtlichen Schachclub, den er mit seinem Können
beeindruckte. Er wäre gern weitergereist, doch das Ende seiner Ferien
zwang ihn zurück zu seinem Studium, das er schließlich mit „sehr
gutem Erfolg“ abschloss. Im Turnen stach Max Bezzel ebenso hervor:
Am 25. August 1844 erhielt er eine Gedenkmünze für seine Leistun-
gen. Im Schach übte er sich auch im „Blindspiel“, „also im Schachspiel
ohne Ansicht des Schachbrettes, und war darin recht erfolgreich“, wie
der Schachclub 1855 Ansbach in einem Portrait schreibt.
Ehrenmitglied des Schachclubs Ansbach
Er kehrte nach Ansbach zurück und zog wieder in sein Elternhaus zu
seiner Mutter. In den nächsten zwei Jahren arbeitete er als Rechtsprak-
tikant am Ansbacher Landgericht; in seiner Freizeit gab er privaten
Mathematikunterricht. Nachdem er an verschiedenen Orten beruflich
tätig war, ging er erneut nach Ansbach zurück; 1854 wurde er dort
zum Rechtsrat gewählt. An der Gründung des Ansbacher Schachclubs
war er nicht unmittelbar beteiligt, wohl war er aber aktiver Spieler und
wurde 1857 zum Ehrenmitglied ernannt.
1856 machte Max Bezzel Urlaub in Leipzig und bezwang dort die
besten Schachspieler. Die „Illustrirte Zeitung“ schrieb damals: „[…]
der gemüthliche Bayer gewann nicht nur Partien, sondern auch die
Herzen“.
Text: Hanna Wild, Fotos: Elke Rehder: Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts. Homburg: Ed. Jung (2014), S. 292. ISBN 978-3-933648-54-9, Stadtarchiv Ansbach, pixabay.com
Max Bezzel erdachte laut „Deutscher Schachzeitung“ höchst geist-
reiche Selbstmattaufgaben, komponierte Schachprobleme und war
gleichsam als Problemlöser bekannt.
Nachdem im Oktober 1863 die Mutter gestorben war,, zog der allein-
stehende Max Bezzel mit seiner älteren, unverheirateten Schwester
zusammen, die ihm den Haushalt führte. Im Frühjahr 1871 begann
er, sich unwohl und abgeschlagen zu fühlen; die Ärzte wussten keinen
Rat. Am 30. Juli 1871, im jungen Alter von 47 Jahren, starb Max Bezzel.
Er hatte während seiner kurzen Krankheit den Wunsch geäußert,
seziert zu werden. So wurden Schäden an Magen, Herz und Nieren
festgestellt; er könnte Krebs gehabt haben, heißt es im Portrait des Ans-
bacher Schachclubs. Autor Hans Siegfried zeichnet darin das Bild eines
stets angenehmen Menschen: „Immer wieder waren die Menschen, die
ihn kennenlernten,, angetan von seiner Freundlichkeit, seiner Beschei-
denheit, seiner Fähigkeit, auf sie einzugehen, und dem ‚höchst anre-
genden Umgang� mit ihm. So zeigt sich in diesem Nachruf aus dem
Jahr 1872 ein Lebensbild eines Mannes aus einer fernen, fernen Zeit, in
der Treue zu sich und zu anderen ein Wert war, den man ganz selbst-
verständlich lebte. Auch der ungenannte Verfasser des Lebensbildes
ist erkennbar stark von ihm beeindruckt. Wenn darin viel vom Schach
die Rede ist, so ist das verständlich, weil Max Bezzel durch dieses in
das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit trat, aber es wird auch
ein Mensch mit großen Fähigkeiten deutlich, der seinen Platz in seiner
Heimatstadt und in seinem Beruf voll ausfüllte.“
Das Damenproblem
Max Bezzel ist der Schöpfer des sogenannten „Damenproblems“ im
Schach. Hans Siegfried dazu: „1848 stellte Max Bezzel in der Berliner
„Schachzeitung“ die Aufgabe, acht Damen so auf einem Schachbrett
aufzustellen, dass keine die andere im nächsten Zug schlagen kann.
Acht Damen ist die Höchstzahl, die sich ohne gegenseitigen Angriff
auf einem gewöhnlichen Schachbrett unterbringen lässt. Bezzel fragte
nach der Zahl der möglichen Lösungen. Diese Fragestellung erregte
die Aufmerksamkeit der Schachspieler und der Mathematiker. Sogar
der große Carl Friedrich Gauß befasste sich mit dieser Aufgabe.“ Die
Lösung wurde 1850 entdeckt und lautet: 92.
Die Homepage des Schachclubs Ansbach:
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