ANBLICK Ausgabe 09/2017 - page 8

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AN
BLICK
Ansbacher Persönlichkeiten
Heinrich Dittmar
(1792 – 1866)
Diese Lithographie mit dem Portrait
Heinrich Dittmars stammt aus der Zeit
um 1850 und befindet sich im Stadt-
museum Grünstadt.
Heinrich Dittmar, am Ende des 18. Jahrhunderts geboren in Ansbach, war Pädagoge und
Lehrer. Er war durch seine Familie religiös geprägt und machte den Glauben auch zu einem
elementaren Bestandteil seines Unterrichts. Heinrich Dittmar betätigte sich außerdem
schriftstellerisch und schrieb viele Schulbücher.
Friedrich Butters verfasste 1867, ein Jahr nach Heinrich Dittmars Tod, eine Schrift
über Leben und Wirken des Pädagogen aus Ansbach. Diese sei ein „schriftliches
Denkmal der Dankbarkeit, der Verehrung und Liebe“ („Eine kurze Lebensbeschrei-
bung Dr. Heinrich Dittmars als Programm des königlichen Gymnasiums zu Zwei-
brücken zum Schlusse des Studienjahres 1866/1867“). Anderswo werden Dittmars
Werke für Form, Inhalt und „hervorragenden didaktischen Aufbau“
(Jan Carsten Schurr, „Weltreiche und Wahrheitszeugen. Geschichtsbil-
der der protestantischen Erweckungsbewegung in Deutschland 1815-
1848“, Vandenhoeck & Rupprecht, 2011) gelobt: Heinrich Dittmar
muss ein gebildeter, engagierter Mann gewesen sein.
Am 15. Dezember 1792 kam Dittmar als Sohn von Geheimsekretär
Johann Gottlob Dittmar und Christiane Dittmar, geborene Zahn,
Tochter eines Regierungs-Registrators, in Ansbach auf die Welt. Am
Beispiel von Johann Peter Uz, der 1796 starb, und August Graf von
Platen, der im gleichen Jahr geboren wurde, sowie Heinrich Dittmar
macht Friedrich Butters die Aussage fest, „wie gesegnet auch da-
mals das Frankenland an guten Männern war“. In der evangelischen
Familie wurde täglich gebetet; der Vater las jeden Morgen aus einem
Gebetbuch vor. Auch als Dichter betätigte sich das Familienoberhaupt;
diese Kunst brachte er auch seinem Sohn nahe.
Ab dem siebten Lebensjahr besuchte der junge Heinrich, den Butters
als „lebhaften, leicht erregbaren Charakter“ beschreibt, die Schule, ab
1800 auch das Gymnasium. Er sollte und wollte es seinem Vater, der
Jurist war, gleichtun und studierte ab 1810 in Erlangen Rechtswis-
senschaften. Dittmar war fleißig, doch seine Leidenschaft vermochte
dieser Zweig nicht zu wecken. 1812 verbrachte er den Sommer in
seinem Heimatort Ansbach, wo er eine Beziehung zu einem Mäd-
chen namens Lotte einging. Das Paar schrieb sich viele Liebesbriefe,
und der Student empfahl ihr verschiedene Bücher, die sie lesen solle.
Am 4. Oktober 1813 trat er in den Freimaurer-Orden ein, was er laut
Butters folgendermaßen begründete: „Denn des Ordens Zweck ist ein
hoher: Erziehung der Menschheit zum verlornen Ideale.“ Hier lässt
sich schon erahnen, wohin es Dittmar schlussendlich ziehen sollte. Er
begann auch, sich zunehmend für Philosophie zu interessieren. Über
die Jurisprudenz schrieb er: „Die Ausübung selbst, noch mehr aber die
[…] Art der Ausübung hatte für mich etwas Gemeines und verletzte
besonders anfangs mein Gefühl und meine Vernunft schmerzhaft“
sowie „die volle Herrschaft über sie“ würde seinen „Geist erdrücken“
(Butters). 1815 entschied er sich schließlich, nach Würzburg zu gehen,
um Philosophie zu studieren.
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