ANBLICK Ausgabe 12/2017 - page 8

Ansbacher Persönlichkeiten
Ernst von Bandel 1800 – 1876
Ernst von Bandel, geboren in Ansbach, war ein Bildhauer im 19. Jahrhundert.
Sein berühmtestes Werk ist das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald.
In Ansbach sind von ihm gefertigte Büsten im Markgrafenmuseum zu sehen.
Die Bandelstraße wurde nach ihm benannt.
Das Hermannsdenkmal war sein Lebens-
werk: Die über 53 Meter hohe Statue wurde
in Gedenken an die Schlacht 9 n. Chr. im
Teutoburger Wald errichtet, in der der Cherus-
ker Arminius den römischen Feldherrn Varus
schlug. 37 Jahre dauerten die Bauarbeiten an
dem gewaltigen Monument, das ein Mahnmal
der deutschen Einigkeit sein sollte. Ernst von
Bandel hatte sich die Vollendung des Denk-
mals zu seiner Lebensaufgabe gemacht. (Dass
aus Arminius Hermann wurde, soll übrigens
einem Übersetzungsfehler geschuldet sein.)
Am 17. Mai 1800 wurde Josef Ernst von Bandel
als Sohn des preußischen Beamten Georg
Carl Friedrich von Bandel und seiner Gattin
Johanna in der damaligen Jägergasse, heute Bi-
schof-Meiser-Straße, geboren. Er besuchte die
Volksschule und das Gymnasium Carolinum,
bevor er auf die höhere Realschule in Nürn-
berg wechselte, wo die Familie einige Jahre
lebte. Die lateinische Sprache lag Ernst von
Bandel nicht sonderlich: „… Der Griechen
und Römer Taten gefielen mir sehr, ihre Spra-
che(n) verfluchte ich aber tausendmal; denn
ich konnte mich nicht mit ihnen befreunden.
Meinen Bruder Karl hielt der Vater strenge ans
Arbeiten; mir ließ er auffallend viel Freiheit,
die ich denn auch gehörig benutzte“, wird
Bandel in „Das Hermannsdenkmal und
Ernst von Bandel“ von Autor Burkhard
Meier zitiert (Verlag topp + möller, Det-
mold 2000). Bereits als Junge erklärte er,
er wolle etwas „Sichtbares schaffen und
alles lernen, was dazu gehöre“. Zunächst
begann er als 17-Jähriger eine Ausbildung an
der Forstakademie in München. Dort lernte
er Karl von Fischer kennen, Professor an der
Kunstakademie. Dieser erkannte Bandels
künstlerisches Talent und nahm ihn als Schüler
auf. Bereits ein halbes Jahr später brach Bandel
die forstliche Ausbildung ab und wurde besol-
deter Hofbauzeichner in der Schule Fischers.
1818 starben sowohl sein Mentor Fischer als
auch sein Vater. Bandel war auf sich alleine
gestellt. König Maximilian I. Joseph gewährte
ihm ein kleines Stipendium.
„Mahnmal für die Einigkeit“
Bandels erster Lebensabschnitt sei ein „Suchen
nach seiner künstlerischen Bestimmung“ ge-
wesen, kommentiert Vredeber Freiherr von Ke-
telhodt in einer Schrift über Ernst von Bandel.
Von der Architektur wechselte dieser später
zum Studium der Malerei, dann zur Bildhaue-
rei. Portraitbüsten waren eine besondere Stärke
des Ansbachers. Im Markgrafenmuseum sind
einige seiner Werke zu sehen. Schon in jungen
Jahren habe sich Bandel, dessen Jugend von
den Kriegen Napoleons und der französischen
Besatzung Deutschlands geprägt wurde, für
die „Freiheit und Einheit ganz Deutschlands
begeistert“, so Ketelhodt. Im Alter von 19 Jah-
ren fertigte Bandel die ersten Skizzen für das
spätere Hermannsdenkmal an, das ein Symbol
und Mahnmal für die Einheit sein sollte. Bis
zu den tatsächlichen Arbeiten daran und zur
Fertigstellung sollte es aber noch viele Jahre
dauern.
In den Jahren 1921 und 1822 restaurierte Ernst
von Bandel den Schönen Brunnen in Nürnberg.
Er schuf dafür sechs große Figuren und Mo-
delle zu Moses und den Propheten. Der Figur
eines Kämmerers gab er seine Gesichtszüge.
Über die Arbeiten, während deren er seine spä-
tere Ehefrau Karoline von Kohlhagen kennen-
lernte, schrieb er in seinen „Erinnerungen aus
meinem Leben“: „Ich fing mit der Modellierung
der großen, an fünf Fuß hohen Figuren an, und
während ich daran arbeitete, merkte ich mir
genau die Arbeitsart der Steinhauer. Und wenn
diese nach Feierabend sich entfernt hatten,
machte ich mich an ihre Arbeiten und lernte
Letzte Aufnahme von Ernst von Bandel aus dem Jahr 1875.
Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald.
Nach einer Kohlezeichnung:
Selbstbildnis Ernst von Bandels
aus dem Jahre 1837.
Diese von Bandel gefertigte
Büste zeigt seinen Vater
und steht im Ansbacher Mark-
grafenmuseum.
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