ANBLICK Ausgabe 12/2017 - page 9

Text: Hanna Wild; Fotos: Stadtarchiv Ansbach; Beckhaus H.; AxelHH / Wikimedia Commons.
daran die Steinwerkzeuge handgerecht führen.
Anfangs brummte einer und der andere über
verdorbene Arbeit, und es gab Untersuchun-
gen über den Übeltäter. Daß ich’s war, darauf
verfiel keiner. Doch bald konnte ich’s so gut
wie sie.“ (Ausgabe Detmold 1933.)
Das Hermannsdenkmal:
Bandels Lebenswerk
Von 1825 bis 1827 unternahm Bandel eine
Ausbildungsreise nach Italien und hielt sich in
Rom und Neapel auf. Nach seiner Rückkehr
fand die Hochzeit statt. Insgesamt bekamen
er und seine Frau sieben Kinder. Sohn Rode-
rich wurde später Architekt, Sohn Heinrich
Bildhauer. 1833 ging die Familie Bandel nach
Berlin, ein Jahr später wegen eines Auftrags
nach Hannover.
Anfang September anno 1846 wanderte Ernst
von Bandel durch den Teutoburger Wald.
Sein Weg führte ihn auch zur Grotenburg, die
entgegen ihres Namens keine Burg ist, sondern
ein Berg im Südosten des Waldes. Diesen erkor
Bandel zum Standort für sein Denkmal aus,
das schon so lange in seinem Geiste existierte.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1837 siedelten
er, seine Frau und ihre damals fünf Kinder
schließlich nach Detmold um, und Bandel
widmete sich in den Folgejahren ganz der
Errichtung seines Lebenswerks. Er gewann
Freunde und Unterstützer für sein Vorhaben,
die sich im „Verein für Errichtung des Her-
Ernst von Bandel (Mitte) in seiner Hannoverschen Werkstatt bei den Arbeiten am Hermannsdenkmal.
mannsdenkmals“ zusammenschlossen. Neben
seiner Arbeitskraft investierte Bandel auch sein
Privatvermögen. Die offizielle Grundsteinle-
gung erfolgte 1841.
1846 blieben die Gelder aus, und Bandel war
gezwungen, auf der Suche nach Arbeit nach
Hannover zurückzukehren, um seine Familie
zu ernähren. Dort nahm er schließlich die Ver-
wirklichung seines Denkmals wieder auf und
entwickelte mit seinem Sohn Roderich das Ei-
sengerüst, das das über 26 Meter hohe und 42,8
Tonnen schwere Standbild von innen her stützt
und zusammenhält. Die Figur selbst besteht
aus Kupfer. Noch im Alter von 60 Jahren hatte
sich Ernst von Bandel das Kupferschmieden
dafür beigebracht. 1871 zog Bandel schließ-
lich zurück nach Detmold und verbrachte die
letzten Jahre während der Arbeiten an dem
Denkmal in einem nahegelegenen Blockhaus
auf dem Berg, der sogenannten Bandelhütte.
Am 16. August 1875 wurde das Hermanns-
denkmal endlich eingeweiht. Bandel bezeich-
nete es als „erstes Denkmal, das vom ganzen
deutschen Volk errichtet wurde“. Er erhielt von
Kaiser Wilhelm I. einen Kronenorden und eine
jährliche Ehrenpension auf Lebenszeit in Höhe
von 4.000 Mark. Tatsächlich genießen konnte
Ernst von Bandel diese nicht – nach einem
Kuraufenthalt im italienischen Carrara starb er
am 25. September 1876 im Hause seines Stief-
bruders in Neudegg bei Donauwörth. Er wurde
in Hannover beigesetzt.
Ernst von Bandels Grab in Hannover.
Ernst von Bandel bei den Arbeiten am
Hermannsdenkmal, um 1870.
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