ANBLICK Ausgabe 08/2014 - page 15

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Kurze örtliche Kerwa- und Brauereigeschichte
1615 gab es in Eyb schon eine Brauerei. Diese
hatte damals das Tafernrecht. Das heißt, dass der
Wirt das öffentliche Schank- beziehungsweise
Krugrecht, das Herbergs- und Gastrecht sowie die
Fremdenstallung, also die Versorgung und das
Unterstellen der Zug- und Reittiere, innehatte.
Darüber hinaus durfte er auch Verlöbnismähler,
Hochzeiten, Stuhlfeste, Tauf- und sonstige fest-
liche Mähler ausrichten. Dabei war es demWirt
erlaubt, Bier, Wein und Branntwein auszuschen-
ken. Zum Tafernrecht gehörten auch das Brau-
recht, das Brennrecht und die Backgerechtigkeit,
also das Recht, einen Backofen anzulegen und
Brot zu backen. Das Tafernrecht wurde vom Lan-
desherren verliehen. Die Brauerei mit dem Namen
Hauff hatte schon bald einen Namen über die
Stadtgrenzen hinaus. Im alten Brauhaus wurde
aus heimischer Gerste gutes Bockbier gebraut.
Wo heute der Distlersaal steht, gab es eine
200 Quadratmeter große Tanz- und Musikhalle.
Zusätzlich gab es ein Karussell, eine Schiff-
schaukel, die Möglichkeit zum Ringlauf und
zum Kegeln. Ein Angebot, das eben heute ein
Vergnügungspark oder ein Volksfest bietet, ist
einst bereits vorhanden gewesen.
Gebraut wurde in Eyb bis ins Jahr 1965. Die
Distlerbrauerei war auch in Gastwirtschaften der
Ansbacher Umgebung bekannt. Brauereibesitzer
waren die Familie Hauff (seit 1884), die Familie
Distler (seit 1916) und zuletzt Braumeister Alois
Oettl.
Beim Kirchweihumzug ist es üblich gewesen,
ein großes Bierfass mit etwa 500 Liter Bier und
der Aufschrift „Brauhaus Eyb“ einzusetzen. Zu
diesem Anlass saßen junge Mädchen auf dem
Pferdefuhrwerk und haben so die Sicht auf den
Trubel der Straße genossen.
Der Kirchweihfestzug führte an der Gaststätte
und am Brauhaus vorbei. Beim Halt vor dem
Brauhaus haben Kirchweihburschen ihre Kerwa-
lieder gesungen, um das nötige Bier für den Fest-
zug zu erhalten. Anschließend soll das Freibier
oft in Strömen geflossen sein. Der Festzug wurde
im Distlergarten aufgelöst. Diese Tradition hat
sich bis zur heutigen Zeit bewahrt und wird von
den Wirtsleuten gepflegt.
Mehrere Tage lang Kirchweih feiern, darauf
freuen sich viele Ansbacher und Eyber jedes Jahr
aufs Neue.
31. Juli bis 4. August 2014
Kerwa im Stadtteil Eyb
Kerwa, der fränkische Ausdruck für
Kirchweih, lässt sich auf das mittelhoch-
deutsche Wort kirchwihe zurückführen
und bezeichnte zunächst die Einweihung
einer Kirche. Heute wird der Begriff ver-
allgemeinert verwendet und bezeichnet
eine Festlichkeit oder auch einen Rummel.
Aktuell im Blick: die Kerwa in Eyb.
Text: Valentina-Anna Rätz; Fotos: Heimatverein Eyb
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